Mittelohrimplantat

Schallüberbrückung durch Vibration

Das Mittelohrimplantat gehört zu den Teilimplantaten. Von einem Teilimplantat spricht man, wenn sich das Mikrofon ausserhalb des Körpers befindet, im Gegensatz zu Vollimplantaten, bei denen das Mikrofon in die implantierte Einheit komplett integriert ist. Das aktive Implantat im Mittelohr übersetzt die Schallübertragung von außen in Vibrationen und stimuliert damit die Eigenschwingungen der Gehörknöchelchen. (Daneben gibt es auch sogenannte "passive" Mittelohrimplantate - einfache Nachbildungen von Knöchelchen aus Titan oder Keramik, um zerstörte Knochen zu ersetzen.)

Funktionsweise des Mittelohrimplantates

Mittelohr WikipediaDie Schallwellen werden vom außen getragenen Mikrofonempfänger aufgenommen, vom Klangprozessor umgewandelt und an den implantierten Vibrator (Vibrating Ossiculator Prosthesis oder Schwingungsverstärker) übermittelt. Der Vibrator sitzt als kleine Kapsel am Ambossschenkel und überträgt allerfeinste Schwingungen direkt an die Gehörknöchelchenkette. Diese ist an das Ovale Fenster, den Eingang zum Innenohr, gekoppelt. Bei einer defekten Gehörknöchelchenkette kann die Vibration auch direkt auf die Hörschnecke (Cochlea) übertragen werden, Voraussetzung ist allerdings ein weitgehend vitales Innenohr. Somit wird die Schallübertragung vom Mittelohr zum Innenohr mittels aktivem Implantat überbrückt, wobei auch der äußere Gehörgang und das Trommelfell umgangen werden.
(Schemazeichnung: wikipedia)


Für wen ist ein Mittelohrimplantat geeignet?

Ein Mittelohrimplantat ist sinnvoll bei Patienten mit vorliegenden Gehörgangs- und Mittelohrschäden: Fehlende oder schadhafte Gehörknöchelchen (Ossikelkette), Verkalkung (Tympanosklerose), Steigbügelfixation bei Otosklerose, Ekzeme und Entzündungen des Gehörgangs und/oder des Trommelfells, Schuppenflechte (Psoriasis), Einengungen oder Fehlbildungen des Gehörgangs. Wenn diese Problematiken nicht mit herkömmlichen Hörgeräten beantwortet werden können, ist ein Mittelohrimplantat angezeigt.

Operation, Nachsorge und Anpassung

Die Implantation des Gerätes erfolgt immer in Vollnarkose. Durch eine kleinen Hautschnitt hinter der Ohrmuschel wird ein Knochenkanal zum Mittelohr angelegt, um den nur wenige Millimeter großen Schwingungsverstärker an die Gehörknöchelchen oder direkt an die Hörschnecke anzukoppeln. Die Operationsnaht wird nach erfolgter Implantation wieder vollständig geschlossen.

In der Abheilungsphase führt die Klinik Wundkontrollen durch. Die individuelle Anpassung des außen getragenen Prozessors erfolgt nach ca. 6 Wochen durch geschulte Fachleute im HTZ. Mehrere Programme und technisches Zubehör für verschiedene Alltagssituationen ermöglichen Einstellungen nach dem persönlichem Hörempfinden.

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Motiv @ Marika Kude / pixelio.de (2006)